Vereinnahmung und Verausgabung | Einkommensteuerrecht
Hamburger

Menü

Vereinnahmung und Verausgabung



Vereinnahmung und Verausgabung1

Zeitliche Zuordnung von Einnahmen bzw. Ausgaben zu einem bestimmten Kalenderjahr zur Ermittlung des zu versteuernden Einkommens

Zu- und Abflussprinzip (Istprinzip)
  • Ermittlung der Einnahmen und Werbungskosten bei den Überschusseinkunftsarten
  • Ermittlung der Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben bei der Gewinnermittlung im Rahmen einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung
  • Sonderausgaben
  • Außergewöhnliche Belastungen
  • Steuerermäßigungen für Spenden und Mitgliedsbeiträge
  • Steuerermäßigungen für Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und haushaltsnahe Dienstleistungen

Grundsatz:
Zeitpunkt des Geldflusses maßgebend

  • Einnahmen sind in dem Kalenderjahr anzusetzen, in dem sie dem Steuerpflichtigen zugeflossen sind
  • Ausgaben sind in dem Kalenderjahr abzusetzen, in dem sie geleistet worden sind

Sollprinzip

Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich

Grundsatz:
Zuordnung nach der wirtschaftlichen Zugehörigkeit

Einzelfälle zum Zu- und Abflussprinzip

Zufluss
Abfluss
Grundsatz

Erlangung der wirtschaftlichen Verfügungsmacht

Verlust der wirtschaftlichen Verfügungsmacht

Barzahlung

Übergabe

Übergabe

Überweisung

Tag der Gutschrift auf Empfängerkonto

Tag des Eingangs des Überweisungsauftrags bei der Bank bzw. Tag der Ausführung einer Online-Überweisung2

Scheck

Entgegennahme des Schecks3

Hingabe des Schecks4

Kreditkarte

Tag der Gutschrift auf Empfängerkonto durch das Kreditkartenunternehmen

Tag der Unterschrift auf dem Zahlungsbeleg

Ausnahmen vom Zu- und Abflussprinzip

Regelmäßig wiederkehrende Einnahmen und Ausgaben
  • In regelmäßigen Abständen wiederkehrende Zahlungen aus einem Dauerschuldverhältnis6
  • Geldfluss innerhalb von 10 Tagen vor oder nach Jahreswechsel (22.12.-10.01.)7
  • Geldfluss und wirtschaftliche Zugehörigkeit liegen in zwei verschiedenen aufeinander folgenden Kalenderjahren
  • Fälligkeit der Zahlung im 20-Tageszeitraum8

Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit5
  • Laufender Arbeitslohn gilt in dem Kalenderjahr bezogen, in dem der Lohnzahlungszeitraum endet
  • Sonstige Bezüge gelten im Jahr des Zuflusses als bezogen
  • Bei Warengutschein gegenüber einem Dritten, erfolgt Zufluss bei Hingabe des Gutscheins an den Arbeitnehmer9
  • Bei Warengutschein gegenüber dem Arbeitgeber, erfolgt Zufluss erst bei Einlösung

Werbungskosten bei privaten Veräußerungsgeschäften
  • Durch ein privates Veräußerungsgeschäft veranlasste Werbungskosten sind im Kalenderjahr zu berücksichtigen in dem der Verkaufserlös fließt
  • Bei Zufluss in mehreren VZ sind die Werbungskosten zunächst mit den ersten Zuflüssen zu verrechnen

Nutzungsüberlassungen

  • Einnahmen für Nutzungsüberlassungen > 5 Jahre => Wahlrecht

    • Sofortversteuerung
      oder
    • gleichmäßige Verteilung auf den Vorauszahlungszeitraum

  • Ausgaben für Nutzungsüberlassungen > 5 Jahre => Pflicht

    • gleichmäßige Verteilung auf den Vorauszahlungszeitraum


    Ausnahme: Marktübliche Damnums oder Disagios

Anschaffung von Wirtschaftsgütern

Regelmäßig kein Ansatz im Jahr der Bezahlung, sondern Anwendung der Vorschriften für AfA, GWG, Sammelposten

Sparbuchzinsen

Gelten immer am 31.12. des jeweiligen Jahres als zugeflossen unabhängig von der Eintragung in das Sparbuch


Fussnoten:

1 § 11 EStG, H 11 EStH

2 Dies gilt jedoch nur, wenn das Konto die erforderliche Deckung aufweist bzw. ein ausreichender Kreditrahmen zur Verfügung steht. Andernfalls liegt ein Abfluss erst am Tag der Belastung auf dem Konto vor.

3 Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn die sofortige Einlösung des Schecks zivilrechtlich eingeschränkt wäre.

4 Bei Postversand somit Abfluss bei Übergabe an die Post; bei direktem Einwurf in Briefkasten des Zahlungsempfängers gilt dieser Tag als Abflusszeitpunkt.

5 § 38a EStG

6 Es ist nicht erforderlich, dass die Höhe der Zahlungsbeträge immer gleich ist (z.B. Umsatzsteuervorauszahlungen).

7 Sollte sich die Fälligkeit der Umsatzsteuervorauszahlung auf Grund § 108 (3) AO auf den nachfolgenden Werktag verschieben, verlängert sich der 10-Tageszeitraum nicht. Im Falle einer erteilten Lastschrifteinzugsermächtigung wird jedoch ein Abfluss im 10-Tageszeitraum unterstellt, selbst wenn die Belastung durch das Finanzamt später erfolgen sollte, sofern das Konto zum Fälligkeitszeitpunkt entsprechende Deckung aufweist.

8 Nicht erforderlich ist, dass die Fälligkeit im Jahr der wirtschaftlichen Zugehörigkeit liegt.

9 R 38.2 (3) LStR


© DAW Deutsche Akademie für Wirtschaft GmbH, Waldsassen

Stand: Juli 2020

Haben Sie noch Fragen?

Ihr Ansprechpartner: Corinna Schmeller
Telefon:
 (09632) 9 22 91 85
Telefax:
 (09632) 9 22 91 86
Email:
info[at]daw-akademie.de

> zum Kontaktformular


Wir freuen uns auf Sie.
Kontakt